Über Grenzen, Schleichwege und Gemeingut

WIENWOCHE 2018
© 2018 Wienwoche

Sich an den Rändern aufzuhalten, bedeutet mit Limits und Hürden konfrontiert zu sein, die unser Leben mit sich bringt. Gleichzeitig sind Grenzen Auslöser für eine Reihe von Handlungen, die diese fortlaufend delegitimieren, destabilisieren, unterbrechen und sie sogar aufheben.

Das Meer ist die Grenze, sichtbar und dennoch unsichtbar, manche setzen sich ihm aus, für andere ist es weit weg. Für manche ist es der Tod, für andere ein Ort des Vergnügens.

Grenzen sind nicht nur Terrain der Kontrolle, der Regulation, des Profitmachens und der Gewalt, sie sind immer auch Räume der Neubestimmung und Neuerfindung, die aus direkter Aktion und kritischer Utopie hervorgehen. Kennst du irgendeine Grenze, die es erfolgreich geschafft hat, die Ströme der Akteur_innen und deren Widerstände und Intentionen zu stoppen, als diese bereits in Bewegung waren? Grenzgeschichten zeigen die vielfältigen Aspekte von Grenzen: Sie trennen – aber können nicht trennen.

Von welchem Teil der Erde werde ich dich wohl erreichen? Komme ich, um in meinen Ferien auf deinen Wellen zu treiben, oder zählt mein Leben für dich nicht?

Inmitten der Grenzlandschaften vermehren sich die Schleichwege. Sie sind Spuren von kreativen Widerstandskräften, die uns den Welten des bedingungslosen Teilens und Füreinander-Sorgens näherbringen: das im Entstehen begriffene Gemeingut.

Winkst du mir zu? Was sehe ich noch? Am Rande, im Dazwischen, nur die Hälfte von mir, mein Land zur Hälfte auf dem Meer.

Im Kämpfen gegen die gegenwärtigen lokalen und globalen Grenzregime und im Improvisieren von alternativen Pfaden, die die symbolischen und materiellen Effekte dieser Regime umgehen, entstehen die entscheidenden politischen Strategien des Lebens. Es geht hier um ein Leben, das sich von der Fiktion der Nation sowie von den Auswirkungen des neoliberalen Kapitalismus und seinem System des Ausschlusses und der sozialen Hierarchisierung unterscheidet.

Das Land bin ich.

Für WIENWOCHE: 
Nataša Mackuljak, Ivana Marjanović