WienWoche

newsletter

 
  • menu
  • Harmonija, na ja ... – Ruhestörung und Widerspruch

    Erste Programmvorschau von WIENWOCHE 2015 (18. September bis 4. Oktober)

    www.facebook.com/wienwoche
    www.twitter.com/wienwoche
    www.flickr.com/wienwoche
    www.youtube.com/wienwocheorg

    "Der Konflikt ist der wesentliche Kern einer freien und offenen Gesellschaft", schrieb der US-amerikanische Bürgerrechtler Saul Alinsky 1971 in seinem Buch "Rules for Radicals". Ganz in diesem Sinne legt sich WIENWOCHE 2015 mit dem allzu kompromissbereiten "goldenen Mittelweg" als scheinbarer Rettungsgasse der gesellschaftlichen Harmonie an. Von 18. September bis 4. Oktober 2015 setzen 15 Projekte auf Ruhestörung und sagen: "Diri harmonia nai mrni harmonia!" (Romanes für "Deine Harmonie ist nicht meine Harmonie!".)

    "WIENWOCHE 2015 erzählt gute, aber keine Gute-Nacht-Geschichten. Geschichten, die von den Geistern einer Vergangenheit handeln, an die nicht gerne erinnert wird. Geschichten, die verdrängte Taten einstiger großer 'Held_innen' in den Mittelpunkt rücken. Aber auch Geschichten, in denen künftige Taten geplant werden, mit denen so gut wie niemand rechnet", so das Leitungsteam von WIENWOCHE, Can Gülcü und Radostina Patulova.

    Zum Beispiel eine Geisterbahnfahrt im Wiener Prater durch den Graus der Geschichte oder das Roadmovie Auf nach Europa, in dem ein ehemaliger Sans Papier die Stationen seiner Route von Tiaret nach Wien bereist. Das KleynKunst Theater, in dem jiddische Kultur der "Goldenen Zwanziger" auf queere Performance der Jetztzeit trifft, oder Kurzfilmspaziergänge, die als Protestkundgebungen der etwas anderen Art den Spuren von The Big Bank Theory nachgehen. All diese Projekte interpretieren den Jahresschwerpunkt Harmonija, na ja ... anhand vielfältiger Themen und formulieren ihre Anliegen in künstlerischen Formaten, die ein gründliches, konkretes und zielgenaues Widersprechen ermöglichen.

    Weitere Programmpunkte: The Jewish Renaissance Boxing Club schreibt sich in die lange Geschichte der jüdischen Sportvereine in Wien ein, The Black Her*Stories Project realisiert die ersten queeren Schwarzen feministischen Filmtage in Wien. Drei Projekte unterbrechen die Ruhe in den derzeit geschlossenen Hallen des Weltmuseums: In Gegenlesen erzählen Aktivist_innen Geschichten des Widerstands gegen (vergangene und weiterhin bestehende) koloniale Verhältnisse. In Die Rückkehr der lebenden Toten werden die der kolonialen Vergangenheit zum Opfer gefallenen Toten wieder zum Leben erweckt, in Juden schauen stereotypisierende Blicke auf Jüdinnen und Juden hinterfragt.

    In Dieter Kaufmanns - auf Fragmenten von Elfriede Jelineks Die Schutzbefohlenen basierendem - multimedialem Musiktheater Lampedusa singen junge Darsteller_innen gegen die menschenfeindliche europäische Grenzpolitik. MemoryGames lädt zu Dialogen über persönliche wie kollektive Erinnerungen, Sichtweisen auf Geschichte und historisches Wissen ein. Was hast du mitbekommen? erkundet Handlungsmöglichkeiten, die sich aus der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit für das Hier und Jetzt ergeben. Der Kampf um die Universität ist noch nicht verloren! erweitert die Feierlichkeiten der Universität Wien zu ihrem 650-jährigen Jubiläum mit kritischen Fragen an die wichtigste Bildungsinstitution des Landes. Das mehrsprachige Live-Audiotheater 65 Jahre Klassenharmonie erkundet das Wirken der Sozialpartnerschaft anhand von Themen wie Streik, Arbeitszwang, Gastarbeit oder Arbeitsverbot, und in Platte 16 rappen, performen und tanzen Jugendliche in ihren Lieblingsparks gegen die Einschränkungen, die ihnen im öffentlichen Raum und im Leben auferlegt werden.

    Gemeinsam ist allen Projekten, dass sie auf die treibende Kraft von Bewegung und Reibung setzen statt auf Kompromiss und Konsens. Sie fordern klar: Alles für alle! Denn: "Relevante Kunst- und Kulturarbeit ist nichts weniger als die Arbeit an den gesellschaftlichen Bruchlinien - durch Vorausdenken, Organisieren und Eingreifen", erklären Gülcü und Patulova.

    So heißt es im September 2015: Hinaus aus den Pseudo-Wohlfühlzonen, hinein ins Getümmel!

     

    Mehr Informationen zu Projekten und Mitwirkenden.