Nach Geschäftsschluss

Das Ende der Geschäftstätigkeit ist das Ende des Lebens, möchte man uns glauben machen. Die Schrift-hin-und-her-Stellerin Natalie Deewan beweist mit ihrem Projekt das Gegenteil: Ausgediente Reklameaufschriften machen sich mit ihrer Unterstützung selbstständig. Aus den vorhandenen Buchstaben entsteht durch anagrammatische Umstellung eine neue, diesmal nicht-kommerzielle Botschaft. Wienweit werden geeignete Ex-Geschäfte auf ihre versteckten Aussagen abgeklopft. Nach Rücksprache werden die Lettern auf der Fassade re-arrangiert. Anstelle von PUTZEREI lacht dir so zum Beispiel im 8. Bezirk die PURE ZEIT entgegen. Die neuen Texte bleiben bis auf Weiteres im Stadtraum bestehen.

Wer sich gemeinsam auf die Suche nach postkapitalistischen Botschaften machen möchte, ist zu gemeinsamen Rundgängen durch die Bezirke Meidling, Josefstadt und Ottakring, Alsergrund und Brigittenau eingeladen. Mit dabei sind Gäste mit Wortspenden zu den Themen Leerstand, Stadtschrift und Freiraum. Im Anschluss an die Rundgänge besteht die Möglichkeit, am ‚Anagrammatischen Stammtisch‘ das Spiel mit Pappfassaden selbstständig fortzusetzen. Was wollen uns die PUTZEREI, das SCHUHSERVICE, der FLEISCHHAUER eigentlich sagen?

Natalie Deewan arbeitet als Schrift-hin-und-her-stellerin in Wien und betreibt angewandte Literatur.

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