Pannekoeks Katze

© Michael Bodenstein / Nicole Szolga

1918 flammte auch in Wien die Rätebewegung auf: Selbstverwaltung, Herrschaftsfreiheit, Schluss mit der repräsentativen Politik! Anlässlich 100 Jahre österreichische Rätebewegung begibt sich das Papiertheater Kollektiv Zunder mit dem Papiertheaterstück Pannekoeks Katze auf eine Spurensuche in Wien und Umgebung.

Im Jahr 1918, als das Alte nicht mehr funktionierte und noch kein Neues da war, wagten Arbeiter_innen an vielen Orten Mitteleuropas, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. In Österreich bot der Jännerstreik den nötigen Zunder, bald waren Fabriken, Kasernen und mitunter ganze Stadtviertel in Räten organisiert. Dem bürgerlichen Staat sollte seine Entbehrlichkeit vor Augen geführt werden.

Die Rätekommunist_innen Leo Rothziegel, Berta Pölz, Hilde Wertheim und Franz Wippel sind die Protagonist_innen des Papiertheaterstücks Pannekoeks Katze – der Titel nimmt Bezug auf den gleichnamigen Theoretiker des Rätekommunismus und auf das Symboltier des Wilden Streiks, die schwarze Katze. Oder handelt es sich hierbei vielleicht doch um Schrödingers Katze? Die handgefertigte Darbietung erzählt von der kurzen und produktiven Phase der Wiener Rätebewegung, von der Vielfältigkeit ihrer politischen Zusammensetzung, den sich auftuenden politischen Freiräumen und dem Aufflackern der Idee einer herrschaftsfreien Gesellschaft.

Die Vorführung findet im Bezirksmuseum auf der Mazzesinsel (1020 Wien) statt. Dorthin gelangt man auf einem gemeinsamen Stadtspaziergang entlang historischer Orte der Rätebewegung, wie etwa dem Stefaniehof, in dessen Hinterzimmer Leo Rothziegel Flugblätter für den Jännerstreik druckte, dem Sitz des Allgemeinen jüdischen Arbeitervereins Poale Zion in der Taborstraße 44, oder die Filiale des selbstorganisierten Konsumvereins „Vorwärts“ in der Blumauergasse 16.  Wie eine aktualisierte Wiener Rätebewegung aussehen müsste, kann danach beim Steckrübeneintopf beratschlagt werden – der richtigen Kost, um eine historische Brücke zwischen dem kriegsverarmten und dem gentrifizierten zweiten Bezirk zu bauen.

Das Papiertheater Kollektiv Zunder brennt für libertär-emanzipatorische Politiken und macht Theater an der Schnittstelle von Geschichte, Aktionismus und Medienkunst.

BÜHNENBILD, ANIMATIONEN UND REGIE:

Nicole Szolga

GRAFIK UND ILLUSTRATION:

Martina Bartik

VISUAL EFFECTS:

Juri Haumer

STÜCKENTWICKLUNG:

Ursula Knoll, Andi Pavlic, Eva Schörkhuber

BÜHNE UND RECHERCHE:

Peter Haumer

WISSENSCHAFTLICHER BEIRAT:

Robert Foltin, Brigitte Rath

PRODUKTION:

Anna Leder

MUSIK:

Lina Neuner

BESONDERER GAST:

cyberrudi

PRODUKTION:

WIENWOCHE

KOOPERATION:

Bezirksmuseum Leopoldstadt

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